Die Idee
Alle Spannungen (und gegenseitige Interessen), die es in einer Schulklasse gibt, werden während einer Klassenfahrt auf die Spitze getrieben. Ich dachte mir: Was, wenn eine Schulklasse aus einer Großstadt in eine Extremsituation gerät ... und landet bei der Klassenfahrt in einem Funkloch?
Das ist natürlich noch keine Geschichte. Aber in der betreffenden Klasse könnten zwei Typen vor kurzem aneinandergerasselt sein, und jetzt - weit abgelegen - wird es zwischen den beiden kritisch.
Und um das Konfliktpotenzial noch zu erhöhen, hielt ich es für eine gute Idee, eine Gymnasial- und Realschulklasse gemeinsam auf diese Fahrt zu schicken.
Aber wohin könnten sie fahren? Aus Gründen, die ich unter "Geheimnisse" etwas ausführe, entschied ich mich für den Hohen Meißner.
Der Ort
Zunächst verbrachte ich einige Zeit damit, um zu prüfen, ob es dort wirklich Funklöcher gibt, denn heutzutage sind die weißen Flecken auf den deutschen Handy-Landkarten fast verschwunden. Und es gibt mit der Telekom, Vodafone, E-Plus und o2 inzwischen vier Betreiber eigener Netze, die eigene Sendeanlagen haben. Zu meiner Freude (und zum Nachteil der dortigen Bewohner) stellte ich recht schnell fest, dass es in der hügeligen Landschaft des Hohen Meißners tatsächlich Ecken gibt, die über keinerlei Funknetz verfügen.
Nun musste ich festlegen, wo sich das Landschulheim befinden sollte, in das die Klassenfahrt führt. Den groben Ablauf der Geschichte (also wer tut was in welcher Reihenfolge) hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon festgelegt. Daraus hatte sich auch ergeben, dass Landschulheim zwar in einem Funkloch liegen sollte, aber die nächste Ortschaft zu Fuß erreichbar, denn es sollte heimliche Ausflüge dorthin geben. Außerdem sollte es möglichst zentral liegen, also die nächsten größeren Ortschaften auch gut mit dem Bus angefahren werden können. Beim Kartenstudium - sowohl der topographischen Karten, wie auch denen mit der Funknetzabdeckung - schien mir der Ort Waldkappel ideal zu sein.
Aber das musste ich auch vor Ort prüfen.
Die Fahrt
Ich hatte schon früh festgelegt, dass die Geschichte im Hochsommer spielen sollte, und als ich an einem Frühlingstag in den Hohen Meißner fuhr, wurde es passenderweise genauso heiß.

Als Erstes fuhr ich nach Waldkappel und stellte fest, dass es - wie von der Geschichte vorgesehen - von vielen Hügeln umgeben war. Perfekt! Ins Auge stach natürlich auch die Kirche in der Dorfmitte:

Ich holte mir in der örtlichen Touristeninformation noch ein paar Unterlagen ab (auch Banalitäten wie die Busfahrpläne, falls ich jemanden in meiner Geschichte mit einem Bus fahren lassen musste) und war zufrieden - ich konnte mein fiktives Landschulheim in der Nähe dieses Ortes ansiedeln lassen. Natürlich schaute ich auch, wo die Funkmasten standen - auf einem Supermarkt etwas außerhalb.
Frau-Holle-Teich und Kalbe
Der erste Ausflug in der Geschichte sollte zu einer der bekanntesten Attraktionen des Hohen Meißners führen, nämlich zum Frau-Holle-Teich. Als ich dort ankam, prüfte ich als erstes den Zustand der Handynetze (ich hatte SIM-Karten für D1 und E-Plus mitgenommen) und war begeistert, kaum Verbindung zu haben. Es kommt selten vor, dass man sich über so etwas freut ...

Frau Holle in ihrem Teich.
Beeindruckender als den Teich fand ich allerdings dieses Schild:

Welcher Schüler wandert schon gern? Im Gegensatz zu manchen Lehrern? Ich konnte mir lebhaft vorstellen, welches Grauen diese Entfernungen bei den meisten Schülern auslösen ... und entsprechend gibt es diese Szene auch im Roman. Tatsächlich geht es dann steil hinauf:


"Sieht aus wie in Morrrdorrr", kommtentiert Kevin dieses Steinfeld.
Aber der Weg rauf zur Kalbe lohnt sich, zumindest an einem solchen Frühlingstag. Vielleicht weniger im Nieselregen des Romans.

Danach fuhr ich kreuz und quer durch den Hohen Meißner, um noch etwas Gefühl für die Umgebung und die Entfernungen zu bekommen. Ich war zufrieden, dass die meisten Ideen für den Roman tatsächlich zur Realität passten. Aber bei einigen Sachen musste ich flunkern. Welche das sind, steht in "Geheimnisse" ...






